Obwohl das Thema umfassend erforscht ist, stößt man im Internet immer noch auf Stimmen, die behaupten, eine Post-Cycle-Therapie (PCT) sei nach Steroidzyklen nicht erforderlich. Die Praxis zeigt jedoch, dass eine PCT nach den meisten Zyklen notwendig ist, damit sich das Hormonsystem korrekt erholen kann. Dieser Artikel fasst zusammen, was die wissenschaftliche Literatur über PCT aussagt, wann ein Besuch beim Endokrinologen sinnvoll ist und welche Aspekte sonst noch wichtig sind.
Was ist PCT?
PCT („post cycle therapy“) ist eine spezielle pharmakologische Behandlung, die darauf abzielt, die HPTA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse) nach einem Steroidzyklus zu reaktivieren. Ziel ist es, die körpereigene Testosteronproduktion wiederherzustellen und das hormonelle Gleichgewicht zu stabilisieren. Zum Einsatz kommen häufig:
- SERMs (blockieren Östrogenrezeptoren),
- hCG (schützt die Hoden vor Atrophie),
- Aromatasehemmer (verhindern die Umwandlung von Testosteron in Östrogen).
Ohne PCT drohen schwerwiegende Folgen wie Libidoverlust, Muskelabbau, Fettzunahme, depressive Verstimmungen, Energiemangel, Osteoporose und viele weitere gesundheitliche Probleme.
Was ist die HPTA-Achse?
Die HPTA-Achse beschreibt das Zusammenspiel von Hypothalamus, Hypophyse und Hoden bei der Testosteronproduktion. Der Hypothalamus setzt GnRH frei, woraufhin die Hypophyse LH und FSH produziert. Diese regen die Hoden zur Testosteronproduktion und Spermatogenese an.
Warum wird die HPTA-Achse durch Steroide gestört?
Werden exogene Hormone wie Testosteron zugeführt, versucht der Körper, das biochemische Gleichgewicht zu wahren. Die natürliche Produktion wird unterdrückt, Hypothalamus und Hypophyse fahren ihre Aktivität zurück. Dadurch verlieren die Hoden ihre Funktion, schrumpfen und können im Extremfall vollständig atrophieren.
Nach dem Absetzen kommt die HPTA-Achse nur selten von selbst in Gang. Das Risiko: Hypogonadismus, eingeschränkte Fruchtbarkeit oder sogar Unfruchtbarkeit. Selbst wenn eine Erholung spontan eintritt, kann sie bis zu 24 Monate dauern. Alter, Zykluslänge, Dosierung und die Art der Präparate beeinflussen das Risiko einer dauerhaften Suppression.
Was sagt die wissenschaftliche Literatur zu PCT?
Die Mehrheit der Fachliteratur bestätigt, dass PCT die körpereigene Hormonproduktion unterstützen und Nebenwirkungen abmildern kann. Studien zeigen, dass Clomifencitrat und Tamoxifen besonders wirksam sind, um Testosteronwerte und andere Parameter zu normalisieren. Auch Gonadotropine können helfen, FSH und damit Testosteron wieder anzukurbeln.
Es gibt Berichte, dass bei extrem langen oder hochdosierten Zyklen PCT nur begrenzte Wirkung hatte. Dies sind jedoch Ausnahmen. Klar ist: Richtige Dosierung und Struktur des Zyklus sind entscheidend. Insgesamt besteht wissenschaftlicher Konsens, dass weitere Forschung notwendig ist, um noch effektivere Strategien zu entwickeln.
Wann ist ein Besuch beim Endokrinologen erforderlich?
Ein Arztbesuch ist dringend anzuraten, wenn trotz PCT nach etwa 4 Monaten weiterhin bestehen:
- chronische Müdigkeit und Energiemangel,
- depressive Symptome,
- stark vermindertes Libido,
- anhaltende Erektionsstörungen,
- Muskel- und Kraftverlust.
Auch Blutwerte sind entscheidend:
- Testosteron dauerhaft unter 300 ng/dL,
- LH und FSH außerhalb des Normbereichs,
- gestörte Schilddrüsenhormone.
Weitere Warnsignale sind anhaltende Stoffwechselstörungen, Herzprobleme, verschlechtertes Lipidprofil oder suizidale Gedanken.
Verantwortung im Umgang mit Doping
Wer sich für leistungssteigernde Substanzen entscheidet, muss die Konsequenzen kennen – von gesundheitlichen Risiken bis zu möglichen Sperren im Profisport. PCT ist ein zentraler Baustein, um Schäden zu begrenzen und die Testosteronproduktion wieder anzuregen. Im Zweifel gilt: ärztliche Betreuung, insbesondere durch Endokrinologen, ist unverzichtbar.
