Wer regelmäßig im Gym trainiert, stößt irgendwann auf eine Grenze, die den weiteren Fortschritt erschwert. Viele Menschen, die ihre Ergebnisse maximal steigern wollen, greifen dann zu harter Pharmakologie – unter anderem zu Peptiden. Im Fitnessstudio trifft man nicht selten auf Personen, die „auf Testo“ oder anderen Mitteln sind. Wie schlagen sich vor diesem Hintergrund diese kurzen Aminosäureketten? Und – ganz wichtig – welche davon funktionieren tatsächlich, und welche gelten als eher wenig effektiv? Was geht überhaupt mit der Einnahme von Peptiden einher? Wenn du tiefer in das Thema einsteigen möchtest, lies diesen Artikel.
Peptide und ihre Rolle beim Aufbau der Wunschfigur
Was sind Peptide im Bodybuilding überhaupt? Es handelt sich um kurze Ketten von Aminosäuren, die durch Peptidbindungen verbunden sind und eine vergleichsweise geringe Stabilität aufweisen. Meistens sind Peptide Bestandteile längerer Proteine, die in lebenden Organismen natürlicherweise vorkommen. Aufgrund bestimmter Eigenschaften einzelner Sequenzen wurden sie jedoch isoliert, um gezielt bestimmte Funktionen zu nutzen.
Viele dieser Substanzen wurden als potenzielle Medikamente gegen unterschiedliche Beschwerden oder zur Abschwächung bestimmter Krankheits- bzw. Therapieeffekte betrachtet. Mangels ausreichender Studien wurden sie jedoch nicht für den medizinischen Einsatz zugelassen. In der Bodybuilding-Szene hat man ihre möglichen Eigenschaften dagegen früh erkannt. Peptide „fürs Gym“ gelten heute als eine der drei grundlegenden Gruppen leistungssteigernder Dopingmittel.
Wie wirken Peptide?
Viel hängt davon ab, um welche Art von Peptiden es sich handelt. Einige stimulieren beispielsweise die Ausschüttung von Wachstumshormon im Körper. Andere stehen in direktem Zusammenhang mit dem Faktor IGF-1. Wieder andere sollen regenerativ wirken oder bestimmte Prozesse im Körper verstärken. Schauen wir uns das genauer an.
Peptide, die die Ausschüttung von Wachstumshormon stimulieren
Diese Mittel werden oft als muskelaufbaufreundliche Peptide betrachtet. Ihr Mechanismus beruht darauf, die Hypophyse so zu beeinflussen, dass Wachstumshormon (GH) in Pulsen ausgeschüttet wird. Dadurch ähnelt das – zumindest theoretisch – eher natürlichen Abläufen, die unter bestimmten Reizen stattfinden. Das wiederum soll den Körper dazu bringen, in der Leber mehr IGF-1 zu produzieren – einen Wachstumsfaktor, der anabole Signalwege aktiviert und so (nach dem Grundgedanken) die Proteinsynthese und damit das Muskelwachstum steigert.
Das ist aber nicht alles: Solche „Peptide für Muskelmasse“ können auch die Lipolyse unterstützen, also den natürlichen Prozess der Fettverwertung. Zusätzlich werden ihnen regenerative Effekte und eine bessere Schlafqualität zugeschrieben – was insgesamt die Gesundheit unterstützen soll. Ihre Wirkung ist nicht so stark wie bei anabolen Steroiden (AAS), kann jedoch stabiler und schneller sein als rein natürliche Fortschritte. Zumindest in der Theorie.
Peptide mit Bezug zu IGF-1
Die Effekte können denen von Präparaten ähneln, die über die Hypophyse wirken – der Mechanismus ist jedoch etwas anders. Diese Peptide sollen die IGF-1-Produktion in der Leber unmittelbar erhöhen, wodurch die Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie Stoffwechselwege intensiver aktivieren. Anders gesagt: Ihre Effekte könnten stärker ausfallen.
Die weitere Wirkung ähnelt der von GH-Stimulanzien: IGF-1 bindet an Rezeptoren in Muskelzellen, aktiviert Signalwege, die Proteinsynthese und Hypertrophie anstoßen, und kann möglicherweise stärker auf Satellitenzellen wirken – wodurch das Muskelwachstum kräftiger ausfallen könnte.
Regenerative Peptide
Das ist eine andere Kategorie als die oben genannten. Regenerative Peptide sollen (zumindest theoretisch) schützende Effekte haben und die Reparatur von Muskel- und Nervenfasern stimulieren; manche sollen sogar Bindegewebe und Knochen bei der Regeneration unterstützen. Ihr Wirkprinzip stützt sich auf zwei Grundannahmen:
- Stimulation der Angiogenese, also des Aufbaus neuer Blutgefäße, was eine bessere Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen sowie eine Reduktion von Entzündungen ermöglichen soll,
- Unterstützung der Mobilität regenerativer Zellen durch Einfluss auf das Zytoskelett und die Migration von Fibroblasten, was indirekt anabol wirken soll.
Peptide für die „Definition“
Solche Peptide werden im Bodybuilding nicht selten vor Formwettkämpfen eingesetzt. Dazu gehören unter anderem experimentelle Verbindungen, die sich auf die oben erwähnte Lipolyse konzentrieren. Andere sind bekannter, weil sie medizinisch zugelassen sind (z. B. als Medikamente bei Diabetes) – etwa Analoga des Glucagon-like Peptide-1 (GLP-1), einer Substanz, die Sättigungsgefühl und Magenentleerung beeinflusst, sowie duale oder triple Agonisten verschiedener Rezeptoren:
- GLP-1,
- GLP-1 + GIP,
- GLP-1 + GIP + Glucagon-Rezeptor.
Welche Peptide gelten als „bewährt“?
Nachdem du nun weißt, wie die einzelnen Peptidtypen wirken, stellt sich die Frage, welche konkreten Peptide in der Praxis als „bewährt“ gelten – sei es für Masse und Definition, Regeneration oder Fettverlust.
Peptide für Muskelmasse
Auch wenn Peptide im Muskelaufbau in der Regel nicht so starke Zuwächse liefern wie AAS, bevorzugen manche sie wegen eines potenziell geringeren (aber nicht gleich null!) Risikos von Nebenwirkungen. Als in der Szene „wirksam“ gelten unter anderem:
- CJC-1295 (GH-Analog),
- Ipamorelin (Ghrelin-Rezeptor-Agonist – wirkt synergistisch mit CJC-1295),
- IGF-1 LR3 (IGF-1-Analog mit längerer Wirkdauer als das natürliche Pendant),
- Follistatin-344.
Außerhalb der oben beschriebenen Kategorien – aber häufig als besonders „starke Muskelpeptide“ betrachtet – sind Substanzen, die mit natürlichen Hemmstoffen des Muskelwachstums zusammenhängen. Dazu zählt eben Follistatin-344, eine Proteinsequenz, die an Myostatin bindet. Ziel ist es, natürliche Grenzen des Muskelaufbaus zu durchbrechen – vor allem bei sehr fortgeschrittenen Bodybuildern.
Peptide für Regeneration
Diese kurzen Aminosäureketten werden häufig im Zusammenhang mit schnellerer Erholung nach harten Trainingseinheiten sowie nach Verletzungen genannt. In dieser Gruppe werden meist folgende Mittel aufgeführt:
- BPC-157 (Stimulation der Angiogenese),
- TB-500 (Entzündungsreduktion, Unterstützung der Zellmigration, ebenfalls Angiogenese sowie Stimulation der Kollagenproduktion),
- Selank (Unterstützung des zentralen Nervensystems, bessere Konzentration und mehr Selbstsicherheit).
Peptide, die die Fettverbrennung unterstützen
In dieser Kategorie tauchen oft dieselben Peptide auf wie beim Muskelaufbau, weil sie – besonders in Kombination – den Appetit senken oder Stoffwechselprozesse anregen können. Dazu zählen etwa Ipamorelin und CJC-1295, aber auch Substanzen, die als Medikamente eingestuft sind, darunter:
- Semaglutid,
- Tirzepatid,
- Retatrutid.
Etwas anders wirkt HGH Fragment 176-191, also ein Fragment des menschlichen Wachstumshormons. Dieser Stoff soll theoretisch stark lipolytisch wirken, indem er die effizientere Nutzung von Fett als Energiequelle stimuliert. Dabei ist zu betonen, dass die Wirksamkeit teils diskutiert wird und häufig von individuellen Voraussetzungen abhängt.
Peptide, die als überbewertet gelten
Wie du siehst, ist die Verbindung zwischen „Peptiden“ und „Gym“ recht stark, und es werden viele Substanzen genannt, die in der Szene als wirksam gelten (wissenschaftlich jedoch weiterhin nicht eindeutig bestätigt). Welche gelten als „überhypt“? Häufig genannt werden unter anderem:
- Epitalon – ein synthetisches Tetrapeptid, basierend auf einem Peptid aus der Zirbeldrüse; soll antioxidativ wirken und die Telomeraseaktivität erhöhen (ein Enzym, das DNA-Abschnitte verlängert, die Chromosomen bei Zellteilungen vor Verkürzung schützen). Theoretisch sollte das die Zellalterung verlangsamen, ein „jugendlicheres“ Aussehen länger erhalten und sogar längere Tagesaktivität ermöglichen (mit weniger Schlaf).
- Pinealon – soll ebenfalls oxidativen Stress reduzieren, Stresslevel senken, kognitive Fähigkeiten verbessern und neuroprotektiv wirken.
- SKR-015 – ein biologisch modifizierter Myostatin-Inhibitor.
- ACE-031 – eine weitere Substanz, die Myostatin hemmen sollte, jedoch mit sehr starken Nebenwirkungen.
- GF-Boosters – Mittel, die angeblich alle Wachstumsfaktoren erhöhen sollten, in der Praxis jedoch Mischungen aus Peptiden ohne nachgewiesene Wirkung.
Woran sollte man denken, wenn man zu Peptiden greift?
Am Ende muss man festhalten: Die meisten Peptide, die im Fitnessstudio eingesetzt werden, haben eine schwache Evidenzlage beim Menschen. Oft werden Studien gar nicht durchgeführt oder nur an Tieren. Vieles basiert auf „Selbsttests“ der Anwender – daher stammen auch die Berichte über mögliche Resultate. In diesem Artikel haben wir zwischen Substanzen unterschieden, die in der Praxis häufig die erwarteten Effekte liefern, und solchen, die höchstens vereinzelt spürbar sind, aber insgesamt keine belegten Vorteile zeigen.
Andererseits bedeutet fehlende Forschung auch ein mögliches Risiko langfristiger Nebenwirkungen. Der Einsatz so starker Pharmakologie kann daher mit potenziellen Gefahren für Gesundheit und Leben verbunden sein.
